#492 Perfekte Operations-Centered Maintenance: Warum industrielle Instandhaltung zur Führungsfrage wird | Frank Hess im Interview mit Niels Brabandt
Perfekte Operations-Centered Maintenance: Warum industrielle Instandhaltung zur Führungsfrage wird
Ein Interview über Maschinen, Menschen und die unterschätzte Disziplin der Verfügbarkeit
In vielen Unternehmen wird industrielle Instandhaltung erst dann sichtbar, wenn etwas nicht funktioniert. Eine Anlage steht. Eine Bahn verspätet sich. Eine Produktion verliert Takt, Qualität oder Lieferfähigkeit. Genau an diesem Punkt beginnt die eigentliche Führungsfrage: Geht es nur um technische Reparatur, oder geht es um ein System, das Zusammenarbeit, Prioritäten, Verantwortung und Veränderungsfähigkeit verbindet?
Im Interview spricht Niels Brabandt mit Frank Hess über dessen Buch „The Decision: A Business Novel about the Origin of Operations-Centered Maintenance“. Frank Hess bringt mehr als 35 Jahre Erfahrung in der industriellen Anlageninstandhaltung ein und beschreibt, warum Operations-Centered Maintenance weit mehr ist als ein methodischer Fachbegriff. Es geht um die Fähigkeit von Organisationen, technische Komplexität, menschliches Verhalten und wirtschaftliche Konsequenzen in einen belastbaren Entscheidungsrahmen zu bringen.
Für Entscheidungstragende im Business ist das Thema hochrelevant. Automatisierung, Vernetzung, Datenabhängigkeit und globale Lieferketten erhöhen den Druck auf Produktionssysteme. Je stärker Wertschöpfung von Anlagen, Maschinen, Sensorik und digitalen Infrastrukturen abhängt, desto weniger kann Instandhaltung als nachgelagerte Kostenstelle behandelt werden. Frank Hess macht im Gespräch mit Niels Brabandt deutlich: Wer Verfügbarkeit sichern will, muss Instandhaltung strategisch führen.
Warum Frank Hess eine Business Novel statt eines Fachbuchs geschrieben hat
Niels Brabandt eröffnet das Gespräch mit der Frage, worum es in „The Decision“ konkret geht. Frank Hess ordnet das Buch als Wirtschaftsroman ein, also als Business Novel mit fachlichem Hintergrund. Sein Ausgangspunkt ist klar: Für die industrielle Instandhaltung gab es bislang kaum eine erzählerische Form, die Menschen außerhalb enger Fachkreise erreicht. Fachbücher existieren, Methoden existieren, Lösungen existieren. Was häufig fehlt, ist der Zugang über eine Geschichte, die Leserinnen und Leser emotional, praktisch und intellektuell verbindet.
Frank Hess verweist darauf, dass Anlageninstandhaltung in allen Bereichen des modernen Lebens eine Rolle spielt. Hinter jeder hochautomatisierten Organisation laufen Maschinen, Prozesse und Systeme, deren Ausfall erhebliche Folgen haben kann. Trotzdem bleibt die Arbeit der Instandhaltung für viele unsichtbar. Man bemerkt sie erst, wenn sie nicht funktioniert. Diese Unsichtbarkeit ist ein Risiko, weil sie strategische Aufmerksamkeit verhindert.
Der erzählerische Ansatz des Buches ist deshalb nicht bloß stilistische Entscheidung. Er ist eine Führungsentscheidung. Frank Hess beschreibt im Interview, dass gute Botschaften oft am besten über Geschichten vermittelt werden. Während ein Fachbuch vor allem Expertinnen und Experten adressiert, kann eine Business Novel unterschiedliche Zielgruppen erreichen: junge Fachkräfte, erfahrene Führungskräfte, technische Spezialistinnen und Spezialisten sowie Menschen, die Change in operativen Organisationen verantworten.
Operations-Centered Maintenance als Antwort auf operative Realität
Der Begriff Operations-Centered Maintenance wirkt zunächst technisch. Im Kern geht es jedoch um eine Managementfrage: Wie richtet eine Organisation ihre Instandhaltung so aus, dass sie nicht nur Schäden behebt, sondern operative Leistung, Sicherheit, Zusammenarbeit und Veränderungsfähigkeit verbessert? Frank Hess beschreibt, dass industrielle Anlageninstandhaltung überall dort entscheidend wird, wo automatisierte und vernetzte Systeme Wertschöpfung tragen.
Damit verschiebt sich der Blick. Instandhaltung ist nicht mehr nur Reaktion auf Ausfälle. Sie wird Teil der operativen Strategie. Sie entscheidet mit darüber, ob ein Unternehmen liefern kann, ob Qualität stabil bleibt, ob Teams handlungsfähig sind und ob Führungskräfte realistische Entscheidungen treffen. Für Niels Brabandt ist genau dieser Praxisbezug zentral: Das Buch zeigt nicht nur ein Fachthema, sondern eine operative Führungsrealität.
Frank Hess betont im Interview, dass sich viele Organisationen in Problemen wiederfinden, die nicht als individueller Sonderfall zu verstehen sind. Wenn es in einer Instandhaltungsorganisation „vorne und hinten nicht läuft“, liegt das nicht zwangsläufig an einer einzelnen Person. Häufig handelt es sich um wiederkehrende Systemprobleme: unklare Prioritäten, fehlende Zusammenarbeit, operative Überlastung, mangelnde Veränderungsfähigkeit oder ein Mindset, das Probleme verwaltet, statt sie strukturiert zu lösen.
Der entscheidende Nutzen: Change ohne Mythos, ohne Magie, ohne Ausreden
Ein zentraler Gedanke im Gespräch zwischen Frank Hess und Niels Brabandt ist die Frage, was Leserinnen und Leser konkret mitnehmen. Frank Hess beantwortet diese Frage mit bemerkenswerter Klarheit: Das Buch soll zeigen, dass viele Probleme lösbar sind, wenn Menschen mit gesundem Menschenverstand, Teamgeist, Zusammenarbeit und einer positiven Haltung an neue Herausforderungen herangehen.
Damit positioniert Frank Hess Operations-Centered Maintenance nicht als modisches Schlagwort, sondern als praktischen Zugang zu Change. Entscheidend ist nicht die nächste theoretische Methode, sondern die Fähigkeit, vorhandene Probleme im eigenen System zu erkennen, gemeinsam zu bearbeiten und ohne unnötige Abhängigkeit von externen Budgets oder Beratungsprojekten voranzukommen.
Das ist besonders relevant für Führungskräfte in Industrie, Produktion, Logistik, Infrastruktur und technischen Organisationen. Viele Unternehmen warten auf das perfekte Programm, die perfekte Freigabe oder das perfekte Projektbudget. Frank Hess argumentiert im Interview anders: Veränderung beginnt auch dort, wo Teams ihr Mindset ändern, Verantwortung übernehmen und operative Probleme mit neuer Struktur angehen.
Warum technische Probleme fast immer auch Führungsprobleme sind
Das Interview zeigt eine Einsicht, die im Management häufig unterschätzt wird: Technische Ausfälle sind selten nur technische Ereignisse. Sie sind Symptome eines Systems. Eine Maschine fällt nicht isoliert in einem luftleeren Raum aus. Sie steht in Verbindung mit Wartungslogik, Planung, Ressourcen, Kommunikation, Prioritäten, Datenqualität, Sicherheitsverständnis und Führungskultur.
Frank Hess spricht genau diese Verbindung an. Wenn hochautomatisierte Systeme zum Rückgrat moderner Organisationen werden, muss die Instandhaltung ebenfalls auf ein höheres strategisches Niveau gehoben werden. Wer nur repariert, verliert Zeit. Wer nur kontrolliert, verliert Motivation. Wer nur Fachbücher liest, verändert noch kein System. Der entscheidende Schritt liegt darin, Wissen in Verhalten, Zusammenarbeit und operative Routinen zu übersetzen.
Niels Brabandt greift diesen Punkt im Interview auf, indem er „The Decision“ als Buch aus der Praxis für die Praxis einordnet. Diese Formulierung trifft den Kern: Es geht nicht um akademische Distanz, sondern um anwendbare Führung in realen Organisationen. Genau dort wird Operations-Centered Maintenance zur Brücke zwischen Technik und Leadership.
Die Stärke der Business Novel: Komplexität lesbar machen
Frank Hess erklärt, dass „The Decision“ kein klassisches Fachbuch ist. Das ist für Entscheidungstragende ein wichtiger Hinweis. Viele Fachbücher sind methodisch wertvoll, aber für Menschen ohne tiefes Spezialwissen schwer zugänglich. Eine Business Novel kann dagegen Komplexität in Situationen, Konflikte und Entscheidungen übersetzen. Dadurch entsteht ein anderer Zugang zum Lernen.
In der Führung ist dieser Zugang besonders wirkungsvoll. Menschen erinnern sich an Geschichten, weil Geschichten Ursachen, Konsequenzen und Entscheidungen sichtbar machen. Sie zeigen nicht nur, was zu tun wäre, sondern warum Menschen in Organisationen häufig anders handeln, als Fachmodelle es nahelegen. Genau darin liegt der Wert des Formats: Es macht operative Realität greifbar.
Frank Hess betont, dass Leserinnen und Leser eine Verbindung zu den Charakteren der Geschichte aufbauen sollen. Diese Verbindung ist mehr als Unterhaltung. Sie erlaubt es, eigene Organisationsmuster wiederzuerkennen. Wer im Roman Situationen erkennt, die dem eigenen Betrieb ähneln, kann aus Distanz reflektieren, ohne sich sofort verteidigen zu müssen. Für Change ist das ein entscheidender Vorteil.
Was Entscheidungstragende aus dem Interview mit Frank Hess lernen können
Das Gespräch zwischen Frank Hess und Niels Brabandt liefert mehrere Leitgedanken für Führungskräfte, die Instandhaltung, Produktion oder operative Exzellenz verantworten.
• Instandhaltung ist strategisch relevant, weil Verfügbarkeit, Qualität, Lieferfähigkeit und Sicherheit unmittelbar von ihr abhängen.
• Operations-Centered Maintenance verbindet technische Kompetenz mit operativer Führung und organisationaler Veränderungsfähigkeit.
• Probleme in der Instandhaltung sind häufig keine individuellen Sonderfälle, sondern Muster, die viele Organisationen teilen.
• Fachwissen allein reicht nicht aus. Entscheidend ist die Umsetzung in Zusammenarbeit, Priorisierung und Verhalten.
• Change muss nicht immer mit großen Budgets beginnen. Er beginnt oft mit Klarheit, Teamgeist, Verantwortung und realistischen Entscheidungen.
• Eine Business Novel kann komplexe Fachthemen so vermitteln, dass Menschen auf unterschiedlichen Erfahrungsniveaus Zugang finden.
Warum das Thema gerade jetzt an Bedeutung gewinnt
Die Aktualität des Themas ergibt sich aus der Entwicklung moderner Wertschöpfung. Unternehmen werden stärker automatisiert, stärker vernetzt und stärker datenabhängig. Gleichzeitig steigen Erwartungen an Effizienz, Resilienz, Nachhaltigkeit und Lieferzuverlässigkeit. In diesem Umfeld wird jede Schwäche in der Instandhaltung schneller sichtbar und teurer.
Für Führungskräfte bedeutet das: Operations-Centered Maintenance ist nicht nur eine Aufgabe für technische Abteilungen. Sie ist ein Bestandteil der Unternehmenssteuerung. Wer Anlagenverfügbarkeit nur als Kostenfrage betrachtet, unterschätzt ihre Wirkung auf Umsatz, Kundenvertrauen, Arbeitssicherheit, Arbeitgeberattraktivität und strategische Handlungsfähigkeit.
Frank Hess macht im Interview deutlich, dass industrielle Anlageninstandhaltung ein spannendes, aber häufig unbekanntes Thema ist. Genau diese Unbekanntheit ist die Chance. Organisationen, die Instandhaltung besser verstehen, können operative Risiken früher erkennen und ihre Führungsarbeit präziser ausrichten.
Führung bedeutet, operative Wahrheit auszusprechen
Niels Brabandt eröffnet das Interview mit einem Satz, der in vielen Organisationen sofort Resonanz erzeugt: Es kann in einer Produktion oder Firma etwas schiefgehen, und man gibt sich selbst oder anderen die Schuld. Diese Beobachtung ist mehr als Einstieg. Sie beschreibt ein zentrales Problem vieler operativer Systeme: Schuld ersetzt Analyse. Reaktion ersetzt Lernen. Hektik ersetzt Struktur.
Frank Hess setzt dem eine andere Perspektive entgegen. Sein Buch zeigt Wege aus der operativen Misere, ohne den Anspruch einer magischen Lösung. Diese Nüchternheit macht das Gespräch besonders wertvoll. Es geht nicht darum, Komplexität zu vereinfachen, bis sie falsch wird. Es geht darum, Komplexität so darzustellen, dass Menschen handeln können.
Für Entscheidungstragende ist das ein entscheidender Führungsimpuls. Wer Organisationen führt, muss Systeme schaffen, in denen Probleme nicht versteckt, personalisiert oder ritualisiert werden. Stattdessen braucht es eine Kultur, in der operative Wahrheit ausgesprochen, verstanden und bearbeitet wird.
Frank Hess und Niels Brabandt: Ein Gespräch über Praxis, Verantwortung und Veränderung
Das Interview mit Frank Hess im Podcast und Videocast von Niels Brabandt zeigt, wie eng industrielle Instandhaltung und moderne Führung miteinander verbunden sind. Frank Hess spricht aus jahrzehntelanger Erfahrung. Niels Brabandt führt das Gespräch konsequent aus der Perspektive der praktischen Anwendung für Business-Entscheidungstragende.
„The Decision“ ist damit mehr als ein Buch über industrielle Anlageninstandhaltung. Es ist eine Einladung, operative Organisationen anders zu betrachten: weniger als Sammlung technischer Einzelprobleme, mehr als lebendes System aus Entscheidungen, Routinen, Zusammenarbeit und Verantwortung.
Für Führungskräfte, die Produktion, Operations, Maintenance, Engineering, Supply Chain oder Change verantworten, ist der zentrale Gedanke klar: Perfekte Operations-Centered Maintenance beginnt nicht mit dem perfekten Tool. Sie beginnt mit der Entscheidung, operative Probleme ernst zu nehmen, Menschen einzubinden und Veränderung als praktische Führungsaufgabe zu verstehen.
Fazit: Operations-Centered Maintenance ist ein Führungsthema
Das Interview „Perfekte Operations-Centered Maintenance - Frank Hess im Interview mit Niels Brabandt“ macht deutlich: Instandhaltung ist kein Randthema. Sie ist ein strategischer Hebel für Verfügbarkeit, Produktivität, Sicherheit und Resilienz. Frank Hess zeigt mit „The Decision“, dass technische Organisationen nicht nur bessere Methoden brauchen, sondern auch bessere Geschichten, bessere Entscheidungen und bessere Zusammenarbeit.
Wer industrielle Instandhaltung nur als Reparatur versteht, bleibt reaktiv. Wer Operations-Centered Maintenance als Führungsansatz begreift, kann operative Leistung systematisch verbessern. Genau darin liegt der Nutzen dieses Gesprächs für Entscheidungstragende im Business: Es verbindet technische Substanz mit praktischer Führung und zeigt, warum Change dort beginnt, wo Menschen Verantwortung für das System übernehmen.
Niels Brabandt
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Mehr zu diesem Thema im dieswöchtigen Podcast und Videocast: mit Niels Brabandt: Videocast / Apple Podcasts / Spotify
Das Transkript zum Podcast und Videocast befindet sich unter diesem Artikel.
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Kontakt: Niels Brabandt on LinkedIn
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Podcast und Videocast Transkript
Niels Brabandt
Es kann ja mal in einer Produktion was schiefgehen, oder in der Firma, und man gibt sich auch mal die Schuld. Oder, oder öfter, oder sehr oft. Und wenn einige jetzt sagen: "Ja, Moment, das klingt ein bisschen wie bei uns", dann müssen wir schauen: Wie kann das eigentlich besser funktionieren? Und genau das wollen wir heute mit einem Experten hier besprechen. Herzlich willkommen, Frank Heß.
Frank Hess
Ja, herzlich willkommen, Nils. Vielen Dank für die Einladung, freut mich.
Niels Brabandt
Danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Und ich gehe direkt ins Thema rein: Du hast ein Buch geschrieben, und zwar das Buch "The Decision". Kannst du uns einmal kurz einen Überblick geben? Weil es heißt ja: "A Business Novel about the Origin of Operations-Centered Maintenance". Was heißt das konkret für die Lesenden, worum geht es da?
Frank Hess
Ja, das ist ein Wirtschaftsroman, würde man auf Deutsch sagen, zu einer Business Novel. Vom Hintergrund, wo es um industrielle Instandhaltung geht, was es so als Buch nicht gibt. Der eine oder andere mag Wirtschaftsromane kennen, besonders bekannt ist, glaube ich, "Wool Trud", der das Ziel geschrieben hat. Da geht es ja auch um eine Geschichte, oder "Bärentango" ist zum Beispiel ein zweiter, sehr empfehlenswerter Wirtschaftsroman. Aber im Bereich der Instandhaltung gab es das bisher noch nicht, der industriellen Anlageninstandhaltung.
Frank Hess
Das ist das erste Mal, weil ich aus diesem Bereich komme und mich da seit über 35 Jahren mit beschäftigt hatte, dachte ich: Gut, das ist ein Thema, mit dem man sich mal auseinandersetzen sollte. Wie funktioniert eigentlich die Anlageninstandhaltung? Das ist ja relevant für uns in allen Bereichen. Je höher automatisiert wir sind, je höher wir mit Daten vernetzt sind, also im Hintergrund laufen immer irgendwelche Maschinen. Wenn diese Maschinen ausfallen, haben wir natürlich erhebliche Probleme.
Niels Brabandt
Definitiv.
Frank Hess
Und da macht sich aber keiner Gedanken drüber. Man merkt es eben, wenn die Bahn stehen bleibt, ja, oder dass die Bahn verspätet ist. Und um solche Dinge kümmert sich natürlich auch eine riesen Instandhaltungsorganisation. Das ist eigentlich ein sehr spannendes Thema, aber auch sehr unbekannt. Und ja, da hatte ich einfach Lust und Spaß drauf, zu sagen: Okay, mit welchen Problemen kämpfen die Leute dort? Was ist eigentlich die Herausforderung? Und wie kann man das besser machen in der heutigen Zeit? Und warum klappt vieles nicht? Das war die Idee von dem Buch.
Niels Brabandt
Sehr schön. Da hast du auf jeden Fall eine gute Idee aufgegriffen. Da habe ich logischerweise gleich eine Frage: Was war die Motivation, das Buch genau jetzt zu schreiben? Dass du jetzt sagst, jetzt ist der Zeitpunkt, wo man sagt: Jetzt brauchen wir das.
Frank Hess
Ja, das ist eine Frage, die ich mir auch häufig gestellt habe und eigentlich schon immer beantwortet hatte. Ich glaube, ich habe vor 10, 15 Jahren schon immer mal drüber nachgedacht: Ich würde gern ein Buch schreiben. Es gibt da so eine Bucket-List, die jeder mit sich rumschleppt, an Themen, die man machen will. Nicht, weil man sich fragt: Kann ich das oder kann ich das nicht? Sondern meistens, wenn man was machen will, denkt man: Man kann es. Und so war es auch bei mir. Aber irgendwie habe ich es nie geschafft.
Frank Hess
Und dann war doch dann die Einstellung da: Ah, ich kann es wahrscheinlich doch nicht, sonst würde ich es ja machen, Dinge, die man kann. Aber was ich eben gemerkt habe beim Schreiben ist: Du brauchst Zeit. Oder ich brauche Zeit, um in Flow zu kommen. Und wenn man so im ganz täglichen Managerleben drin ist, in seiner täglichen Arbeit, dann ist ja Zeit manchmal das kostbarste Gut. Und du wirst ja alle 5 Minuten gestört mit einem neuen Gedanken, mit einem Anruf, die Tür geht auf, ein Kollege kommt rein. Also mir ist es nie gelungen, einfach mal zu sagen: Ich bin jetzt mal 3 Monate völlig ungestört und ich kann mich jeden Tag 2, 3 Stunden in Flow versetzen, schreiben, und ich bin nur bei der Geschichte.
Frank Hess
Und die Zeit hatte ich jetzt, weil ich im letzten Jahr aufgehört habe zu arbeiten. Ich bin also in Ruhestand gegangen, und das war der Grund. Und dann das Erste, was mir einfiel, zu sagen: Okay, jetzt habe ich die Zeit, also ran.
Niels Brabandt
Ja, jetzt kannst du die Erfahrung hiermit auch weitergeben. Und da habe ich nämlich gleich die nächste Frage: Wenn Leute jetzt sagen, Mensch, das klingt spannend, weil genau in dem Bereich arbeite ich, aber vielleicht sagen jetzt einige: Ich habe noch gar keine 30 Jahre Erfahrung und so eine richtig extreme Karriere wie der Frank. Ist das Buch denn jetzt für alle Leute geeignet, oder würdest du sagen, das sollten Leute lesen, die 10, 15 Jahre Führungserfahrung haben?
Frank Hess
Ja, es ist ja kein Fachbuch. Und das ist ja erst mal der Unterschied. Und das ist ja das, was die meisten sicherlich verwundert: Wozu braucht man jetzt einen Roman? Aber es ist so, wie häufig im Leben eben: Gute Botschaften kann man am besten über Geschichten übermitteln. Und ein Fachbuch ist eben für Experten und Spezialisten. Wenn es das wäre, dann würde ich sagen: Ja, das ist nicht für jeden geeignet. Und dann gibt es Fachbücher, die sind für Menschen, die von der Universität gerade kommen oder dort studieren. Und andere Fachbücher, die sind weitergehend oder setzen unheimlich viel Wissen voraus.
Frank Hess
Das alles nicht, sondern es ist ein unterhaltsamer Roman, der aber eben mit einem fachlichen Hintergrund, vor allem fachlichen Hintergrund, handelt und auch den benutzt und ein paar Fachbegriffe auch verwendet und auch benutzt. Deswegen gibt es auch ein kleines Abkürzungsverzeichnis für die, die die paar, also zum Beispiel "Operations-Centered Maintenance" ist eigentlich ein Fachbegriff, der nicht jedem etwas gleich sagt. Erstens ist er englisch, zweitens ist er eben sehr fachlich. Aber da wollte ich im Titel auch ein bisschen hervorheben, dass es eben auch was Fachspezifisches ist, dieser Roman. Aber den kann jeder lesen.
Frank Hess
Also meine Mutter hat ihn gelesen zum Anfang, die war immer sehr neugierig und spannend, so wie die Mütter natürlich sind, wenn die Söhne was machen. Und auch die ist mit klargekommen und ist dann bei den Begriffen oder bei den einzelnen Stellen, die sie nicht verstanden hat, das hat offensichtlich ihrem Vergnügen keinen Abbruch getan. Also ja.
Niels Brabandt
Sehr schön, ja.
Frank Hess
Kann jeder lesen, sollte jeder lesen. Junge Leute können das lesen, erfahrene Leute können das. Es ist eine Geschichte, die ich dort erzähle, eine unterhaltsame Geschichte. Und wie bei jeder Geschichte ist es wichtig, dass man sich eben mit den Charakteren eine Verbindung aufbauen kann. Und wenn du die Verbindung herstellst zu den Charakteren in der Geschichte, ich glaube, dann bist du gut aufgehoben. Und man nimmt eben dann auch einiges Praktisches mit aus dem Roman.
Niels Brabandt
Ja, sehr schön, wunderbar. Wenn Leute das mitwerten möchten, das ist perfekt, da antwortest du direkt auf meine nächste Frage. Wenn jetzt Leute sagen: Mensch, ich lese einen Roman, mit Sicherheit auch einfacher lesbar als ein Fachbuch, wo man ja schon ein bisschen Vorwissen eventuell bräuchte.
Niels Brabandt
Wenn Leute jetzt sagen: Wenn ich das lese, was werde ich am Ende denn mitnehmen? Was wird der Nutzen für mich sein? Wenn Leute sagen: Ich arbeite genau in der Branche, kenne sonst nur Fachbücher, die ja wirklich extrem anstrengend sein können. Jetzt gibt es einen Roman. Was ist für mich drin? Was kann ich erwarten, wenn ich dieses Buch lese?
Frank Hess
Ja, also im Grunde genommen sind ja alle Probleme, die wir heutzutage haben, irgendwo auch gelöst, nicht? Wenn man eine Frage oder ein Problem hat, dann nimmt man ein Fachbuch zur Hand, und da steht eigentlich drin, wie man es besser machen kann. Und wenn man kein Buch dazu findet, dann fragt man zum Schluss heutzutage ChatGPT, und es gibt einem auf jeden Fall eine Antwort, wie man jetzt aus der Misere rauskommt. Deswegen fragt man sich manchmal: Wieso haben wir denn überhaupt Probleme, wenn wir doch für alles eine Lösung haben?
Frank Hess
Also ganz offensichtlich reicht es nicht, nur ein Fachbuch zu lesen, um zu wissen: Wie ist jetzt dieses Problem oder dieser Fall, in dem ich mich befinde, die Situation zu lösen? Das ist schon komplizierter. Und das Buch ist sehr viel über Change, und das soll die Menschen motivieren, zu sagen: Ja, du bist nicht alleine mit dem Problem. Wenn du jetzt Manager in einer Instandhaltungsorganisation in einem großen Betrieb bist und es läuft vorne und hinten nicht, es gibt Probleme, dann liegt es nicht nur an dir oder es ist nicht ein Sonderfall und kein anderer hat es, sondern es ist ein ganz normaler Zustand, mit dem viele zu kämpfen haben.
Frank Hess
Und in dem Buch zeige ich Wege auf, wie man rauskommt, eben ohne viel Magic, ja, sondern mit gesundem Menschenverstand, mit gutem Teamgeist, mit Zusammenarbeit, mit einer positiven Einstellung, neuen Herausforderungen gegenüberzutreten. Und deswegen ist da sehr viel über Change drin und wie man den Change gestaltet. Und sagen: Ja, wir können auch ohne, dass wir jetzt vom Vorstand noch mal ein Budget kriegen, extra für ein Projekt, wir können auch ohne einen Berater die Probleme, die wir haben, selber lösen, wenn wir unser Mindset auch ein bisschen ändern und wenn wir die Dinge anders angehen. Und dafür ist das Buch gedacht.
Niels Brabandt
Sehr schön. Wir können also sehen: Ein Buch aus der Praxis für die Praxis. "The Decision: A Business Novel about the Origin of Operations-Centered Maintenance". Das Buch auf jeden Fall jetzt kaufen, denn jetzt wissen wir auch alle: Es lohnt sich für alle Personen, die das hier lesen, und man kann es vor allen Dingen direkt in der Praxis umsetzen.
Niels Brabandt
Zum Ende des Podcasts, genauso wie zum Ende des Videocasts, bleibt mir da nur noch eins zu sagen, nämlich: Frank, vielen Dank für deine Zeit.
Frank Hess
Vielen Dank, Nils, und schönen Aufenthalt in London. Tschüss.