#498 Reden unter Extremdruck: Was Führungskräfte aus der Krisenrede von Friedrich Merz lernen können | Artikel von Niels Brabandt

Reden unter Extremdruck: Was Führungskräfte aus der Krisenrede von Friedrich Merz lernen können

 

Nach dem islamistischen Terroranschlag beim Christopher Street Day in Berlin hielt Bundeskanzler Friedrich Merz eine Rede, die binnen Stunden zum Gesprächsthema wurde. Für Führungskräfte in Wirtschaft und Verwaltung liefert dieser Moment ein selten offenes Lehrstück: Wie spricht man, wenn die Augen einer ganzen Nation auf einen gerichtet sind und keine Zeit für einen zweiten Versuch bleibt? Niels Brabandt EMBA MBA MSc, Experte für Führung, Rhetorik und Krisenkommunikation, hat die Rede im Wortlaut analysiert, so wie sie von Presseagenturen dokumentiert wurde, und zieht daraus präzise Lehren für Vorstände, Geschäftsführer und Kommunikationsverantwortliche.

 

Der Ernstfall kommt ohne Ankündigung

In Unternehmen wiederholt sich dieses Szenario in kleinerem Maßstab ständig: ein Arbeitsunfall, ein Datenleck, ein öffentlicher Shitstorm. Innerhalb von Minuten muss eine Führungskraft vor Mitarbeitende, Presse oder Kunden treten und Haltung zeigen. Niels Brabandt, der als Keynote Speaker, Trainer und Berater Führungskräfte auf genau solche Momente vorbereitet, ordnet die Rede von Friedrich Merz deshalb nicht als politisches Statement ein, sondern als rhetorisches Fallbeispiel. Die Analyse zeigt, was in Sekunden über Glaubwürdigkeit entscheidet, unabhängig von Partei, Branche oder Unternehmensgröße.

 

Ein starker Auftakt schafft Vertrauen

Merz eröffnete ohne Floskeln, ohne „Sehr geehrte Damen und Herren“, und adressierte sofort die Betroffenen und die Tat. Das ist, so Brabandt, der erste Test jeder Krisenkommunikation: Wer zu Beginn Zeit mit Höflichkeitsformeln verschenkt, wirkt vorbereitet auf sich selbst statt auf die Situation. Ebenso wichtig war die präzise Wortwahl: „islamistischer Anschlag“ statt vager Umschreibungen. Genauigkeit in der Sprache schützt vor Fehlinterpretation, gerade wenn Aussagen in Sekundenschnelle in sozialen Netzwerken verbreitet werden.

 

Zielgruppenkenntnis ist nicht verhandelbar

Der erste gravierende Fehler folgte wenige Sätze später: eine binäre Anrede („Teilnehmerinnen und Teilnehmer“) gegenüber einem Publikum, für das genau diese Formulierung ein wunder Punkt ist. Für Brabandt ist das ein klassisches Beispiel dafür, wie mangelnde Vorbereitung auf die tatsächliche Zielgruppe selbst gut gemeinte Botschaften beschädigt. Für Unternehmen bedeutet das: Wer vor Belegschaft, Kunden oder Öffentlichkeit spricht, muss die Erwartungen und Sensibilitäten dieser Gruppe kennen, bevor das erste Wort fällt.

 

Wenn Reihenfolge über Wirkung entscheidet

Auch die Struktur der Rede offenbarte Schwächen. Die Aufforderung „Lassen Sie sich nicht einschüchtern“ kam, bevor die eigentliche Bedrohung („Diese Taten wollen unsere Gesellschaft spalten“) überhaupt benannt war. Brabandt empfiehlt Führungskräften eine klare Dramaturgie: erst die Lage einordnen, dann Mut zusprechen. Wer diese Reihenfolge umdreht, wirkt unvorbereitet, selbst wenn jeder einzelne Satz für sich genommen richtig ist.

 

Der Bruch zwischen Wort und Handlung kostet Glaubwürdigkeit

Der schwerwiegendste Fehler der Rede lag jedoch nicht in der Sprache, sondern in der Substanz. Merz beteuerte, „die Freiheit unserer Gesellschaft“ parteiübergreifend zu verteidigen, wenige Monate nachdem seine Regierung die Regenbogenflagge am Bundestag untersagt und Mittel für queere Jugendprojekte gekürzt hatte. Für Brabandt ist dies der zentrale Punkt für jede Führungskraft: Worte, die der eigenen Historie widersprechen, werden vom Publikum sofort erkannt und wirken wie Heuchelei. Kommunikationsberatung kann Formulierungen schärfen, sie kann jedoch keine Widersprüche zwischen Aussage und Handlung verdecken.

 

Auch das Ende entscheidet

Selbst der Schluss der Rede, „Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit“, bewertet Brabandt als verschenkte Chance. Standardfloskeln am Ende einer Rede signalisieren, dass der Redner den Moment nicht als besonders behandelt hat. Wer eine Rede mit Substanz beendet, etwa mit einem klaren Bekenntnis oder einem Aufruf zur Gemeinschaft, hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Insgesamt bewertet Brabandt die Rede mit 4 von 10 Punkten, ein Ergebnis, das für ihn weniger eine politische als eine rhetorische Aussage ist.

 

Die Checkliste für die eigene Organisation

Für Führungskräfte leitet Niels Brabandt aus der Analyse eine klare Handlungsanweisung ab: Krisenreden sollten vorbereitet werden, bevor die Krise eintritt. Wer wartet, bis die Presse vor der Tür steht, hat bereits verloren. Wichtige Bausteine sind ein klarer, floskelfreier Einstieg, eine Anrede, die die tatsächliche Zielgruppe kennt, eine Reihenfolge, die zuerst die Lage und dann die Zuversicht benennt, Aussagen, die zur eigenen Historie passen, und ein Schluss, der im Gedächtnis bleibt. Unternehmen, die diese Struktur in Trainings und Notfallpläne integrieren, sind im Ernstfall handlungsfähig, unabhängig davon, wie plötzlich dieser Ernstfall eintritt.

 

Niels Brabandt

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Mehr zu diesem Thema in unserem Videocast und Podcast dieser Woche mit Niels Brabandt: Videocast / Apple Podcasts / Spotify

Das Transkript des Videocasts und Podcasts finden Sie im Anschluss an diesen Artikel.

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Podcast und Videocast Transkript

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Terroranschlag in Berlin beim CSD: Friedrich Merz hat eine Rede gehalten, danach in der Sophienkirche, und auf vielfache Anfrage hin wurde ich gefragt, ob ich diese Rede analysieren würde. Nicht, weil Leute dort ein "politisches Statement" haben wollten. Deswegen ist mir auch wichtig zu sagen: Nichts von dem, was ich heute hier erzählen werde, ist politisch. Es geht darum, dass Führungskräfte sagen, es gibt immer wieder extreme Druckmomente. Extreme Druckmomente, wo sie sagen: Ich muss sehr schnell reagieren. Was sollte man dann sagen? Was sollte man nicht sagen? Was ist gut, was ist eventuell nicht so gut?

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Ich selber war beim Christopher Street Day vor Ort und war zum Glück nicht direkt von dem Terroranschlag betroffen, sondern ungefähr 800 Meter, 1 Kilometer entfernt von dem, wo es passiert ist. Das Ganze ging dann am Sonntag mit einem Memorial, anschließend einem Trauergottesdienst, einem Trauermarsch weiter. Beim Trauergottesdienst in der Sophienkirche war ich vor Ort, als Friedrich Merz seine Rede gehalten hat. Und das wollen wir heute hier analysieren: Public Speaking, also das Halten von offentlichen Worten, unter extremem Druck.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Ich werde hier die Rede zitieren, die von der Presse veröffentlicht wurde, von daher werde ich hier auch die entsprechenden Pressestellen zitieren. Das ist eine Rede, die ich der Presse entnommen habe. Ich war selber dort, aber habe natürlich nicht wortwörtlich mitgeschrieben, weil ich in der Sekunde anderes zu tun hatte. Und deswegen ist es wichtig, dass hier unter Zitierrecht—fair use fair use, fair dealing—ich in der Lage bin, das auch zu tun. Das heißt, ich zitiere hier Quellen, die ich zitieren darf. Wir gehen das schrittweise entsprechend durch.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Friedrich Merz kommt nach vorne, eröffnet mit den folgenden Worten: "Uns bringt ein trauriger Anlass und zugleich eine verachtenswerte Tat zusammen." Also erst mal schon mal: Eins ist hier gut. Wenn Sie solche Rede eröffnen, dann fangen Sie nicht an mit "Sehr geehrte Damen und Herren" oder "Vielen Dank für Ihre zahlreiche Anwesenheit" oder was auch immer an Plattitüden da viele von sich geben. Der Einstieg hier ist auf jeden Fall schon mal gut. Wenn übrigens jemand jetzt sagt, er hat ja Redenschreiber: Natürlich hat er das. Da kann man davon ausgehen, dass da Redenschreibende sitzen, das Ganze dann machen und entsprechend durchführen. Und das ist auch vollkommen normal. Das werde ich niemandem vorwerfen, in solchen Situationen.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Die Rede geht weiter: "Meine Gedanken, unsere Gedanken sind jetzt, in diesen Stunden, bei den Opfern dieses terroristischen Islamistischen Anschlags der letzten Nacht, bei den Familien, bei den Freunden." Sehr guter Satz. Das ist gut. Es ist auch wichtig, hier zu sagen: Es war ein islamistischer Anschlag, nicht "ein Anschlag". Oder, wie manche Leute im Nachgang gesagt haben: Es waren rechte, konservative Kräfte. Grüße gehen raus an die Irren von der Linken in Neukölln, die keine Konsequenzen aus ihren unsäglichen Aussagen dort gezogen haben. Also, es war ein islamistischer Anschlag. Was übrigens klar ist, hiermit auch damit wird ganz klar gesagt: Es geht um islamistischen Extremismus. Es geht nicht um "der Islam" war es und alle islamgläubigen Menschen sind damit schuld. Islamistischer Anschlag ist eine genaue Definition dessen, was hier passiert ist.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Hier steht dann auch: "Und ich wünsche vor allen den Verletzten, dass sie schnell genesen." Das ist auch gut. Damit adressiert man erst mal eins. Know your audience, kenn deine Zielgruppe. Am Anfang, bei solchen Momenten, immer erst mal schauen: Wer sind die Geschädigten? Adressier das erst mal. Die Frage ist: Wie machst du jetzt ab hier weiter? Friedrich Merz macht weiter: "Ich möchte den Einsatzkräften danken für ihr geradezu vorbildlich schnelles Eingreifen, das möglicherweise gestern Nacht Schlimmeres verhütet hat." Ich—das Wort "verhütet" ist ein bisschen komisch. Wahrscheinlich wollte er "verhindert" sagen. Man verspricht sich mal, völlig normal, wenn so was übrigens passiert. Ich gehe davon aus, dass da stand "verhindert" und er hat "verhütet" gesagt. Es ist richtig, dann weiterzumachen. Sie möchten da nicht rumhaspeln und sich korrigieren, weil irgendwelche Leute genau das rausschneiden werden, dann sagen werden: "Gott, wie unfähig." Also, völlig okay, bei solchen Verhaspelern auch mal dann zu sagen: Jetzt geht es weiter.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Die Rede geht dann weiter: "Und ich möchte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Christopher Street Days hier in Berlin, aber auch in ganz Deutschland, zurufen: Lassen Sie sich, lassen wir uns nicht einschüchtern." Jetzt kommen wir zu dem ersten massiven Fehler in dieser Rede: Know your audience. Das bringe ich jeder einzelnen Zielgruppe bei Rhetoriktrainings, Präsentationstrainings, wie auch immer: Kennen Sie Ihre Zielgruppe? Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Das ist für ganz viele Menschen eine Kleinigkeit, aber nicht für diese Community. Binäre Ansprachen. Also, als ob es nur zwei Geschlechter gäbe. Und es gibt mehr als zwei. Da mache ich übrigens jetzt kein Fass auf, wenn irgendjemand sagt: "Es gibt nur zwei Geschlechter." Das ist halt unwissenschaftlich. Es gibt in der Phasen und der Kategorie bis 65 IQ-Punkte. Das können Sie gerne irgendwo anders machen, aber nicht hier und schon gar nicht jetzt. "Ich möchte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Christopher Street Days—" Das ist ein Fehler. "Ich möchte den Teilnehmenden des Christopher Street—" Ich möchte den Teilnehmenden und Betroffenen. Wie auch immer, ja. "Den Teilnehmenden des Christopher Street—" Das wäre richtig gewesen. Hier ist der erste Fehler. Und dann auch ein ziemlich dicker gleich. Das—wenn so was Redenschreibenden passiert, muss ich mich ernsthaft fragen, wer da sitzt.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

So. Und dann: "Lassen Sie sich, lassen wir uns nicht einschüchtern." Im zweiten Absatz bereits sagen: "Wir möchten dann doch irgendwie wieder feiern." ist vielleicht ein bisschen früh. Da hätte man das, was danach kommt, vielleicht vorziehen können. Denn es geht dann weiter: "Diese Taten haben nur einen Zweck: Sie wollen unsere Gesellschaft spalten. Sie wollen uns das Wichtigste nehmen, was wir haben, nämlich unsere Offenheit und unsere Freiheit." Das davor setzen. Das gehört vor diesen Absatz. Dann kann man das andere besser herleiten. Also, Reihenfolge hier: nicht optimal.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Danach sagt er: "Ich will für die Bundesregierung sagen: Wir werden alles tun, um den oder die Täter so schnell wie möglich zu fassen. Wir werden über Konsequenzen nachdenken und mit Besonnenheit, aber auch mit Entschlossenheit entscheiden." Das ist jetzt wieder gut. Denn er hätte natürlich jetzt hier auch wie wild rumpoltern können, aber Friedrich Merz ist sich eben auch bewusst, dass dann eins passiert: Wenn er sagt—und am besten noch mit dem Wort "Islam" drin sagt—"Wir müssen hier und radikal vorgehen" und so weiter, dann gehen Leute los und prügeln wahllos Menschen, die ihrer Ansicht nach irgendwie wie Islam aussehen, zusammen. Dann hat man offene Gewalt auf der Straße. Davon hatten wir natürlich im Nachgang trotzdem genug. In Glasgow ist ein Lieferdienstfahrer mit Verkehrshütchen beworfen worden, einfach nur, weil er aussah mitten im Bad wie: "Ach, der ist ja auch Islam." Das geht gar nicht. Das geht gar nicht. Kein Argwohn gegenüber islamgläubigen Menschen. Der Islamismus ist das Problem, nicht der Islam an sich. Und deswegen wichtig: Diese Äußerung hier von Friedrich Merz ist gut.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Übrigens: Ungefähr 4, 5 Stunden später nach seiner Rede ist der Täter in einer Kleingartenanlage beim Wiedersetzen der Festnahme erschossen worden. Also, von daher ist das Thema dann—natürlich hätte man aus demokratischen Gründen lieber eine lebenslange Sicherheitsverwahrung gesehen, aber wer sich halt widersetzt und ein Gefährder ist, wird erschossen. Passiert. So, damit der Absatz hier gut.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Es geht dann weiter: "Diese Straftäter, diese Extremisten, haben in der Mitte unserer Gesellschaft keinen Platz." Sehr wichtig. Es wird also ganz klar gesagt: Null Toleranz ab hier. Es haben einige Leute hier übrigens gesagt, dass das ja nun nicht geht, dass ein Straftäter sagt, es müsste ja auch "Straftäterin" oder "Straftatbegehender" heißen. Das ist übrigens faktisch belegbar, dass das nicht stimmt. Denn wenn wir jetzt schauen, wie viel Prozent männlich oder weiblich oder anderen Geschlecht sind, haben wir eine absolut überwiegende Mehrheit von Männern, die das hier begehen. Daher ist der Begriff "Straftäter" schlichtweg einhergehend mit der statistischen Sachlage. Und Statistiken lügen nicht.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Es geht dann weiter: "Und wir werden nicht zulassen, dass dieses Gift des Terrorismus und dieses Gift gegen unsere Freiheit wieder um sich greift in unserer Gesellschaft." Moralischer Aufruf kann man machen. Es geht dann weiter: "Jenseits aller parteipolitischen Meinungsverschiedenheiten: Wir werden die Freiheit unserer Gesellschaft verteidigen."

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Und jetzt kommt der Tiefpunkt dieser Rede. Nachdem Friedrich Merz und seine Union zusammen mit der Klöckner, ja, zusammen mit Julia Klöckner, damals gesagt haben: "Keine Regenbogenfahne auf dem Bundestag." Das kann man übrigens diskutieren, indem man sagt: Wir haben eine Flaggenverordnung, wollen wir die ändern? Was kann man—das kann man ja sachlich diskutieren, aber nicht auf dem Niveau von, wie Friedrich Merz es machte, der Bundestag ist kein Zirkuszelt. Und dann noch vor Kurzem dem Jugendnetzwerk Lambda die Gelder so kürzen, dass die nicht wissen, ob sie nächstes Jahr nach 35 Dienstjahren in der Jugendarbeit noch wissen, dass sie weitermachen können.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Also, queeren Projekten wird das Geld gekürzt. Dem Aktionsplan "Queer Leben" wurden niemals die Mittel gegeben, die zugesagt wurden. Und sich dann hier hinstellen und sagen, wir werden die Freiheit über Parteien hinweg verteidigen: Heuchler. Da hat Friedrich Merz sich den Begriff "Heuchler", den er in der Kirche auch dann oft kassieren musste und wo Leute dann wirklich die Rede verlassen haben, und zwar demonstrativ, den hat er sich wirklich verdient. Wenn Sie nicht an der Verteidigung queerer Rechte beteiligt waren, dann tun Sie in solchen Momenten nicht so. Das ist wirklich ein derartiger Fehler, das hier so zu äußern. Und es gab natürlich auch flächendeckend negatives Presseecho dazu.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Es ist gut, dass der Kanzler sich hinstellt und zur Gemeinschaft aufruft. Aber dann zu sagen: "Wir verteidigen das mit Ihnen", da muss man eventuell mal ein paar Handlungen gezeigt haben, die das irgendwie zugelassen haben. Die Rede geht weiter: "Darauf können Sie sich alle verlassen." Ja. Immer wenn man denkt, man hat sich das Loch schon tief gegraben, kommt einer mit der Schaufel und sagt: "Da geht noch ein Meter tiefer." Das hat er hier dann auch gemacht. Wir sind mehr—also, das geht dann weiter mit: Wir sind mehr, wir sind stärker, und wir halten in unserem Land zusammen. Das ist das Wichtigste in so einer schweren Stunde. Übrigens: Am Trauermarsch danach hat Friedrich Merz sich nicht beteiligt. So viel zum Thema "wir halten zusammen".

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Also, hier muss man sagen: Hier ist die Rede entgleist. Und hier muss man auch sagen: Liegt ein vollständiges Versagen in Hinblick auf rhetorische Darbietung des Kanzlers Friedrich Merz vor. Wenn Sie in einem Bereich vorher nicht aktiv waren, dann adressieren Sie ihn entweder gar nicht, oder Sie sagen: "Wir haben da Nachholbedarf." Und Sie können auch sagen: "Wir haben da Fehler gemacht." Auch dann kann man weiterreden. Alle Menschen wollen ja bloß Lösungen. Aber zu sagen: "Wir sind doch da", während es offensichtlich gelogen ist, ist dann nicht mehr in Ordnung.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Es geht dann weiter: "Und lassen Sie es mich noch einmal sagen: Wir werden die Freiheit, die Offenheit, die Liberalität unseres Lebens und unserer Gesellschaft mit allem, was wir tun, können, verteidigen. Und wir werden es gemeinsam auch machen." Prima, Herr Merz. Dann werden wir ja jetzt sehr zeitnah sehen, dass sich da was ändert in Ihrer Politik. Und zwar extrem zeitnah. Und nicht nur mit Überwachungsmaßnahmen, sondern auch mit proaktiv, mit Aufklärung, mit Bildung.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Wenn Kai Wegner als CDU-Bürgermeister sagt: "Wir sollten Islamunterricht an Berliner Schulen haben, damit der ordentliche Islam islamgläubigen Menschen zugänglich gemacht wird, und nicht der radikale Islam", wo natürlich sofort Menschen: "Wie kann man nur? Wie kann man nur? Wie kann man nur?" Wissen Sie, wir haben ja auch Religionsunterricht bei uns. Damit Leute nicht von radikalen Evangelikalen radikalisiert werden. Mir ist jedes Mittel recht, was zur Aufklärung beiträgt, damit Leute kennen—ich hatte eine Religionslehre, bei mir war es so, damals ganz fortschrittlich: Mein Religionsunterricht ab der 7. Klasse, an dem ich teilgenommen habe, hat mir alle Weltreligionen nahegebracht. Alle. Da war Christentum dabei, da war Islam dabei, da war Hinduismus dabei, Buddhismus ging einmal rund um die Welt. Und bis zur Oberstufe wusste ich: Das gibt es, das sehen die so, das finde ich vielleicht gut, das finde ich vielleicht nicht so gut. Aber es gab eine Aufklärung. Und vielleicht sollten wir dahin mal wieder zurückgehen, denn das wurde später auch weggespart. Und das war wohl vielleicht keine so gute Idee.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Jetzt ist die Frage: Wie hört man mit so einer Rede auf? Und er hört auf mit: "Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Himmel hilf." Wissen Sie, wenn ich rhetorische Grundlagenkurse gebe, und ich meine Anfängerkurse, sage ich den Leuten bereits: Man sagt nie am Ende "Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit". Sie werden keine einzige Podcast-Folge. Und mein Podcast ist ja nun nicht nationenbewegend. Keine einzige Podcast-Folge beende ich mit "Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit". Also, Aufmerksamkeit ist ja wohl das Mindeste. Und es ist vor allen Dingen eine Floskel. Verwenden Sie keine Floskeln. Sie hätten jetzt aber sagen können: "Vielen Dank für Ihre Zeit. Lassen Sie uns gemeinsam stehen." Oder: "Für die Demokratie. Danke." Es gibt tausend Möglichkeiten. Aber "Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit" ist ein erbärmliches Ende.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Das heißt, die Rede insgesamt—wenn ich mir das hier anschaue—würde jemand sagen: "Gib dem Ganzen mal eine Note. Gut angefangen, stark nachgelassen, tief nachgeschaufelt, kleine Spitze zum Schluss noch okay, und dann am Ende versagt. 4 von 10 ist hier großzügig." Das heißt, ich hoffe, Sie können jetzt sehen, wie Sie in extremen Situationen besser agieren können, besser adressieren können, besser den Bogen spannen können und damit auch dann besser als Führungskraft oder als Person des öffentlichen Lebens agieren können. Wenn Sie hier Hilfe brauchen, melden Sie sich gerne jederzeit.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Wenn Sie jetzt sagen: "Ich möchte das Ganze umsetzen", dann setzen Sie es bitte zeitnah um, machen Sie sich einen Notizzettel. Es kann immer sein, dass morgen etwas passiert, mit dem Sie nicht rechnen können. Ich gebe Ihnen ein simples Beispiel, das diese Woche bei einem meiner Kunden passiert: Es gibt eine Sperrfläche, wo niemand drüberlaufen kann, in einer Baugrube. Völlig verboten. Verboten hoch 10, weil da Radlader fahren.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Es geht jemand—wenn Sie auf dem Radlader sitzen, sehen Sie nicht, wenn da irgendjemand unten ist, weil der Radlader viel zu groß ist und die Schaufel hoch ist. Jemand geht in die Verbotszone, springt über zwei Absperrungen, trägt keine Schutzkleidung, trägt keine Schutzkleidung irgendeiner Art, sieht dann, da kommt ein Radlader, geht plötzlich rückwärts, statt vorwärts zu laufen, fällt rückwärts und wird überfahren. Natürlich sofort tot.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Und dann stehen Sie als Verteidiger da. Es ist 13:00 Uhr, Sie kommen aus der Mittagspause, jemand sagt: "13:15 Uhr musst du hier eine Ansprache halten", es kommt die Presse. Also bereiten Sie sich besser heute darauf vor. Und ich hoffe, dass es für Sie nie passiert. Aber es ist immer besser, wenn Sie vorbereitet sind. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, das in Ihrer Organisation umzusetzen. Und wenn Sie Hilfe brauchen, melden Sie sich gerne jederzeit.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Und wenn Sie jetzt sagen: "Okay, da habe ich in der Tat ein paar Fragen zu", ganz kurz hierzu: Was kann man jetzt als Nächstes machen? Ganz entscheidend erst mal, wenn Sie jetzt sagen: Ihnen hat der Vortrag von mir hier über die Folge gefallen, Sie schauen mir auf YouTube zu, lassen Sie gerne ein Like da, abonnieren Sie gerne den Kanal, lassen Sie auch gerne einen Kommentar da.

 

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Sie sehen gerade auf YouTube übrigens auch mein Interview in Spiegel TV, im Spiegel-Magazin, wo dann noch schön kräftig Hate-Kommentare drunter gelandet sind. Das war ja zu erwarten, dass die Asozialen wieder Landgang haben, und das hatten sie auch hier. Meistens hatten diese Leute ja nicht gerade über—also, gerade wenn man die Uhrzeiten sieht, wann es passiert ist—einer geregelten Arbeit scheinen diese Menschen nicht nachzugehen. Aber kein Problem. Grüße gehen raus an die vier Leute, die jetzt ein bisschen mehr Zeit haben, weil ihre Arbeitgeber das nicht so gut fanden, was sie da runtergeschrieben haben. Wir haben da mal nachgehakt. Aber das ist ein anderes Thema.

 

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Also, Kommentar gerne dalassen, gerne auch hier entsprechende Beurteilungen. Lassen Sie mir gerne 5 Sterne da, wenn Ihnen das hier gefallen hat, auf Apple Podcasts, Spotify, freue mich jederzeit darüber. Gerne auch diesen Kanal entsprechend empfehlen, online, offline, völlig egal wo. Wir haben sehr großes Wachstum, wir bekommen tolle Rankings, und daher werden wir auch weitermachen.

 

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Wie versprochen, werden wir auch weiterhin YouTube Shorts bringen, das heißt Führungstipps für den Führungsalltag. Das ist auf dem YouTube-Kanal, wie der Name bereits sagt. Es lohnt sich also nicht nur, den Kanal zu abonnieren, sondern eben entsprechend auch den Kanal so zu abonnieren, dass Sie die kleine Glocke setzen, dann bekommen Sie eine ganz kurze Info, sobald neue Folgen online sind. Ansonsten gerne auch beim Podcast folgen, Apple Podcasts oder Spotify, da finden Sie mich entsprechend.

 

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Wenn Sie jetzt sagen: "Wir brauchen ganz konkrete Hilfe, einen Trainer, einen Speaker, einen Vortragenden, einen Mentor, Coach, Berater, einen Projekt-Interims-Manager", gerne jederzeit melden. Sie finden alles, was ich mache, auf nb-networks.biz. Und ansonsten finden Sie auch meine E-Mail-Adresse: nb@nb-networks.com. Das heißt, da können Sie mich jederzeit gerne auch kontaktieren.

 

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Logischerweise haben wir auch Live-Sessions, sogar relativ zeitnah die nächste. Wenn Sie einmal gehen auf expert.nb-networks.com, tragen Sie da Ihre E-Mail-Adresse ein. Keine Sorge, Sie bekommen nur eine einzige E-Mail jeden Mittwochmorgen, 100 Prozent Inhalt garantiert werbefrei. Da haben Sie vollen Zugang zu sämtlichen Blogs, zu sämtlichen Artikeln, zu sämtlichen Videos. Alles komplett nur darüber. Und wir geben ausschließlich über den Leadership Letter das Datum, Uhrzeit und den Zugangslink für unsere nächste Live-Session bekannt.

 

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Logischerweise können Sie mich auch gerne kontaktieren über Social Media. Machen Sie einen Connect, vernetzen Sie sich mit mir auf LinkedIn, lassen Sie ein Follow da, folgen Sie mir auf Instagram. Gerne auch ein Like dalassen auf Facebook oder mich entsprechend auf YouTube kontaktieren. Ich beantworte jede Nachricht binnen 24 Stunden, völlig egal wann und wie. Wenn Sie also nicht innerhalb von 24 Stunden eine Antwort bekommen haben, dann ist eventuell Ihre Nachricht nicht angekommen, von daher gerne wieder kontaktiert. Das schaffen wir auf jeden Fall, und ich freue mich da auf jeden Fall, jederzeit von Ihnen zu hören.

 

Niels Brabandt EMBA MBA MSc

 

Am Ende des Podcasts und am Ende des Videocasts bleibt mir jedoch immer das Wichtigste zu sagen, nämlich: Anwenden, anwenden, anwenden von dem, was Sie gehört haben. Denn nur wenn Sie anwenden, was Sie hier gehört haben, dann werden Sie die positive Veränderung sehen in Ihrer Organisation und auch bei sich, also genau das, was Sie offensichtlich haben wollen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Anwendung und am Ende dieses Podcasts, genauso wie am Ende dieses Videocasts, bleibt mir dann nur noch eins zu sagen, nämlich: Vielen Dank für Ihre Zeit. Happy Pride, und bleiben Sie demokratisch.

Niels Brabandt